Strompreisentwicklung 2022 – geht uns allen das Licht aus?

Kaum die Corona-Krise halbwegs überwunden und ZACK – müssen wir uns schon durch die nächste Katastrophe kämpfen. Neben dem unsäglichen Leid, welches der Krieg in der Ukraine tagtäglich mit sich bringt, machen sich die Auswirkungen des ganzen nun auch immer mehr in Deutschland bemerkbar. Denn wie sich mittlerweile immer mehr herausstellt, schaden die Wirtschaftssanktionen nicht nur Russland, sondern auch uns selbst.

Spürbar wird das, wenn man sich die Strompreisentwicklung in Deutschland ansieht. Knappe Gaslieferungen sowie fehlende Alternativen führen zu immer teureren Preisen, was nicht nur finanzielle Probleme für Unternehmen, sondern auch für private Haushalte mit sich bringt.

Zwischen Juli und September 2022 legte der Preis für Strom an der Börse eine Verdopplung hin: Im Day-Ahead-Markt (wo die Stromlieferungen für jede Stunde des folgenden Tages gehandelt werden) kletterte der Preis für eine Megawattstunde Strom von ca. 240 auf mehr als 500 Euro. Das sind heruntergebrochen etwa 50 Cent pro Kilowattstunde.


Die steigenden Strompreise an der Börse belasten jedoch nicht nur Unternehmen. Denn ein höherer Börsenpreis führt mit etwas Verzögerung unweigerlich dazu, dass auch der Preis pro Kilowattstunde Strom einen Anstieg erlebt. Und das bekommen auch die privaten Haushalte zu spüren. Spätestens dann, wenn Du mit Deinem Stromlieferanten neue Verträge aushandeln musst.

Experten rechnen damit, dass sich dieser enorme Anstieg erst in etwa ein bis zwei Jahren auch in den Stromtarifen niederschlagen wird. Erst dann Du als Endverbraucher die volle Breitseite auf Deinen Stromrechnungen zu spüren bekommen.

Damit das Ganze nicht ausufert, wird in der Bundesregierung aktuell die Möglichkeit der Strompreisbremse diskutiert.

In diesem Artikel erfährst Du, was dahintersteckt und auf welche Strompreise Du Dich im Jahr 2022 gefasst machen kannst.

strompreisentwicklung

Strompreisentwicklung in Deutschland – ist der Strom schon teurer?

Doch auch, wenn sich der komplette Rattenschwanz erst in ein bis zwei Jahren zeigen wird – bereits heute zahlen Verbraucher deutlich mehr für Strom als im Jahr 2021.

Um das mal in Zahlen auszudrücken (Quelle: destatis.de):

  • Stromkosten im Jahr 2021: Durchschnittlich 31,9 Cent pro Kilowattstunde (kWh)
  • Stromkosten im Jahr 2022: Durchschnittlich 32,9 Cent pro Kilowattstunde (kWh)

Der eine Cent mag auf den ersten Blick keinen allzu großen Unterschied machen. Hierbei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Kosten bei Bestandsverträgen im April 2022 noch bei über 37 Cent lagen (Anfang 2022 waren es 34,6 Cent) und sich nur durch die Abschaffung der EEG-Umlage wieder drücken ließen. Und über den Berg sind wir dabei allem Anschein nach noch lange nicht.

Strompreisentwicklung in Deutschland: 10 Jahre bis 2022
Infografik "Strompreisentwicklung in Deutschland: 10 Jahre bis 2022" von STROM-REPORT.de

Rechnungen des Portals Strom-Report zufolge liegt der Durchschnittspreis bei Neuverträgen für September 2022 jedoch deutlich höher: Und zwar bei 41 Cent pro kWh.

Was sind die Gründe für diese rasante Strompreisentwicklung in Deutschland?

Natürlich kann die komplette Ursache für die Explosion der Strompreise nicht allein auf den Russland-Ukraine-Konflikt geschoben werden. Stattdessen spielen hier logischerweise mehrere Faktoren eine Rolle. Im Folgenden erfährst Du die wichtigsten 3 Gründe für die Strompreis-Rallye in Deutschland.

1. Grund: Die Produktion aus Erdgas wird teurer

Einer der Haupttreiber für die steigenden Strompreise ist die angespannte Situation am Gasmarkt, nicht zuletzt bedingt durch den Russland-Ukraine-Konflikt. Während im Sommer noch die Möglichkeit besteht, vermehrt aus erneuerbaren Energien zu schöpfen, sieht das im Winter anders aus.

Dass die Stromgewinnung aus Gas so teuer ist, liegt zum einen daran, dass der Herstellungsprozess an sich einfach schon recht komplex ist. Und zum anderen die Tatsache, dass die Lieferungen aus Russland aktuell auf einem sehr geringen Niveau liegen (da Nord Stream 2 auf Eis gelegt ist).

russland liefert aktuell fast kein erdgas
Erdgaslieferungen von Russland sind vorerst Geschichte.

2. Grund: Energien mit hoher CO₂-Abgabe sind ebenfalls teuer

Gas wird immer teurer und erneuerbare Energien können in den kälteren Jahreszeiten nur noch bedingt produziert werden. Was bleibt also als Energiequelle übrig, damit uns nicht das Licht ausgeht?

Richtig, Energiequellen mit einem hohen CO₂-Ausstoß müssen die Energielücke schließen. Wie zum Beispiel die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle. Diese sind für eine beträchtliche CO₂-Abgabe bekannt, was den Strompreis in die Höhe schnellen lässt. Und zwar, aufgrund der teuren CO₂-Emissionszertifikate. Durch die hohe Nachfrage nach den Zertifikaten werden auch diese immer kostenintensiver (sie haben sich seit 2020 mehr als verdreifacht).

3. Grund: Netzentgelte werden teurer

Das Netzentgelt ist der „Preis für die Nutzung, die jeder Netznutzer, der Strom durch das Versorgungsnetz leitet, an den Netzbetreiber zahlen muss.“ (Quelle: bundesnetzagentur.de) Vergleichen kannst Du das im Prinzip mit einer Briefmarke als Porto für den Versand. Die Netzentgelte machen dabei knapp ein Viertel des gesamten Strompreises aus. Eine ganze Menge also.

Strompreiszusammensetzung-2022

Laut Strom-Report.de steigen die Preise bei den Übertragungsnetzbetreibern weiter an. Für das Jahr 2022 wird demnach ein Anstieg von 4 % im bundesweiten Durchschnitt erwartet.

stromnetzgebühren deutschland
Die Stromnetzgebühren werden immer teurer.

Was tut die Politik gegen diese Strompreisentwicklung?

Die Zahlen klingen alles andere als vielversprechend. Aber gibt es ein Licht am Ende des Tunnels? Oder legen wir uns besser schon mal einen Vorrat an Kerzen zu, um nicht bald im Dunkeln sitzen zu müssen?

Natürlich gibt es in der deutschen Regierung eine Reihe an Maßnahmen, die dem Ausufern der Strompreisentwicklung Paroli liefern sollen.

Die Strompreisbremse

Anfang September 2022 stellte die Bundesregierung ihr drittes Entlastungspaket vor, in dem für 2023 eine sogenannte Strompreisbremse beinhaltet ist. Diese legt – für einen „Basisverbrauch“ – einen Preisdeckel von 30 Cent pro Kilowattstunde (kWh) fest. Diese Obergrenze gilt für:

  • Singlehaushalte mit einem Verbrauch bis zu 1.400 kWh pro Jahr
  • Familien mit einem Verbrauch bis zu bis 3.100 kWh pro Jahr

Erst darüber hinaus gilt der reguläre Marktpreis.

Atomkraftwerke bleiben länger in Betrieb

Um im Winter nicht ohne Strom dastehen zu müssen, gibt es in der Regierung auch den Vorschlag, einige der deutschen Atomkraftwerke über ihre gesetzlich festgelegte Laufzeit Ende 2022 weiterlaufen zu lassen. Hier sind sich die Politiker aktuell aber noch strittig, die Stimmen dafür scheinen aber immer lauter zu werden. So wechselte sogar Wirtschaftsminister Robert Habeck erst kürzlich seine Meinung. (Quelle: FOCUS)

atomkraftwerke als energiequelle
Die geplante Schließung der Atomkraftwerke wird sich vermutlich noch etwas hinziehen.

Parallel dazu spielt natürlich auch die Suche nach neuen Stromlieferanten eine wichtige Rolle.

Einmaliges Energiegeld

Wenn Du Student, Berufsschüler oder Azubi bist, hast Du bestimmt schon davon gehört: Demnächst sollen 200 € einmaliges Energiegeld an Dich ausgezahlt werden. Rentner sollen dabei sogar 300 € als Unterstützung erhalten.

Und auch die meisten Arbeitnehmer erhalten im September 2022 über die Lohnabrechnung ein einmaliges Energiegeld in Höhe von 300 € über die Lohnabrechnung von ihrem Unternehmen. Da das Geld aber vom Staat übernommen wird, bekommen die Unternehmen das Geld wieder zurück.

Die Abschaffung der EEG-Umlage

Erst Ende 2021 wurde die sogenannte EEG-Umlage (Ökostrom-Umlage) bereits aufgrund der steigenden Strompreise gesenkt. Ursprünglich dienten diese dazu, die Ausrichtung auf erneuerbare Energien voranzutreiben. Im Jahr 2021 machte die EEG-Umlage etwa 6,5 Cent aus – was 20 Prozent des Strompreises entsprach.

Nachdem sie Anfang 2022 um mehr als 40 Prozent (auf 3,72 Cent) herabgesetzt wurde, wurde sie am 1. Juli 2022 komplett abgeschafft. Stromversorger müssen die hierdurch generierten Ersparnisse nun in der Jahresabrechnung an die Verbraucher weitergeben. Hierdurch ergeben sich unter dem Strich schätzungsweise die folgenden Ersparnisse (Quelle: Strom-Report.de):

HaushaltVerbrauchErsparnis
1 Person1.600 kWh70,93 €
2 Personen2.400 kWh106,40 €
3 Personen3.500 kWh155,16 €
4 Personen5.000 kWh221,65 €

Die Strompreisentwicklung im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland leider nicht sehr gut ab:

Strompreise international (in Cent pro kWh)

Dänemark 36,9
Deutschland 32,0
Niederlande 31,8
Spanien 30,6
Großbritannien 29,8
Österreich 23,3
Frankreich 17,7
USA 16,2
Thailand 9,9
Russland 8,2

Und das bekommen leider auch die privaten Haushalte immer mehr zu spüren.

Warum ist der Strom in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern so teuer?

Wie sich zeigt, stehen wir in Deutschland strompreistechnisch im Vergleich zu anderen Nationen aktuell also ziemlich bescheiden da. Und dabei ist die derzeitige brenzliche geopolitische Lage doch für alle gleich schlecht. Warum scheint sich die Strompreisentwicklung dann hierzulande trotzdem schneller weiterzuentwickeln als zum Beispiel in unseren Nachbarländern?

Nun, das hat verschiedene Gründe:

  • Die Stromproduktion ist teuer: In Deutschland macht sie (wie in der Grafik oben ersichtlich) ganze 35,6 % des letztendlichen Strompreises aus. Hier sind viele andere Länder schlicht und einfach günstiger unterwegs, zum Beispiel, weil dort mehr Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird (wie in Schweden und Irland).
  • Hohe Netzentgelte: Zwar fallen auch in anderen Ländern Netzentgelte an, in Deutschland machen diese allerdings fast ein Viertel des gesamten Strompreises aus. Dies ist vergleichsweise relativ viel!
  • Die Stromsteuer: Während in Deutschland eine Steuer auf Strom erhoben wird, gibt es sowas in anderen Ländern Europas beispielsweise gar nicht.

Wie geht es mit der Strompreisentwicklung in Deutschland weiter?

Hand aufs Herz: Die derzeitige Strompreisentwicklung sieht alles andere als rosig aus, da sind sich wohl sämtliche Experten einig. Aber wie wird es nun weitergehen? Ist irgendwo Land in Sicht oder sieht die Zukunft – im wahrsten Sinne des Wortes – zappenduster aus?

Experten gehen leider bis Ende 2022 von einer Fortsetzung der Preissteigerungen aus. Aufgrund des Krieges in der Ukraine besteht nach wie vor die berechtigte Sorge vor Lieferengpässen, was die Strompreise unentwegt weiter nach oben treibt.

Am Ende werden diese wohl vermutlich mit aller Wucht die Privathaushalte treffen, in Form von Strompreiserhöhungen durch die großen Stromversorger. So geht Steffen Suttner, der Geschäftsführer Energie von Check24, davon aus, dass sich die Lage auch zukünftig noch weiter zuspitzen wird. Und das, obwohl Kunden laut Check24 schon jetzt bis zu 120 % mehr für Energie bezahlen müssen.

Die Abschaffung der EEG-Umlage hat die Strompreise zwar gesenkt. Da jedoch schon jetzt zahlreiche weitere Erhöhungen für Ende des Jahres angekündigt wurden, werden sich die hierdurch erzielten Ersparnisse für viele Kunden wahrscheinlich schnell wieder in Luft auflösen.

 

 

 

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